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Das sind wir ja selbst – St. Andrä-Wördern hilft

By Paul Daniel, 3. Juli 2016

Mitte 2015 wollte die Gemeinde St. Andrä-Wördern zusammen mit einer anerkannten Trägerorganisation im Gasthof „Zum Braunen Bären“ bis zu 40 unbegleitete minderjährige Geflüchtete unterbringen. Daraus ist bis heute nichts geworden. Damals hat sich spontan eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern zusammengefunden, um die erwarteten Jugendlichen zu betreuen. Heute kümmert sich diese Gruppe unter dem Namen „St. Andrä-Wördern hilft“ um all jene Geflüchteten, die in der Marktgemeinde im Privatquartieren leben. Wir stellen diese Initiative vor.

  • Die Gruppe besteht aus 35 MitbürgerInnen und wird im Hintergrund von ca. 130 weiteren unterstützt. Bei persönlichen Treffen werden sämtliche Schritte der Initiative besprochen.

  • Derzeit leben 45 Geflüchtete in Privatquartieren in StAW. Die Hälfte davon sind Kinder, von denen zwei als unbegleitete minderjährige Schutzsuchende gelten.

  • Von den 25 männlichen und 20 weiblichen Geflüchteten stammt die Hälfte aus Syrien, ein Drittel aus Afghanistan.

  • Ca. 40 % der von StAW Hilft betreuten Menschen besitzt einen gültigen Aufenthaltstitel, nahezu alle übrigen sind noch im Asylverfahren.

  • Für sämtliche Erwachsenen ihrer Schützlinge bietet die Initiative kostenlose Deutschkurse – zumal sich niemand von den Geflüchteten Kurse in Wien oder Tulln leisten kann.

  • Die geflüchteten Kinder lernen Deutsch in den Kindergärten und Schulen, was letzteren beträchtliche Ressourcen abverlangt: Denn erst ab 25 Kindern bekommen Schulen in Niederösterreich eine zusätzliche bezahlte Lehrkraft für Integrationsmaßnahmen.

  • Der Deutschkurs findet derzeit – während der Gemeindeamts-Renovierung – im Eulennest statt.

  • Zusätzlich zu den Deutschkursen versucht die Initiative ausreichend „Buddies“ zu bekommen – das sind Menschen, die sich um einzelne Geflüchtete kümmern, sie bei Arzt- oder Behördenwegen begleiten und dafür sorgen, dass auch sie am Gemeindeleben teilnehmen können.

  • Die Gemeinde unterstützt die Initiative, indem sie Räume für Deutschkurse zur Verfügung stellt, Integrationsmaßnahmen fördert und Integrationsgespräche organisiert. Darüber hinaus engagieren sich einzelne Kommunalpolitiker enorm – und bieten Geflüchteten sogar Wohnmöglichkeit.

  • Inge Simetsberger, Initiatorin von St. Andrä-Wördern hilft, meint: „Ich habe bei ‚St. Andrä-Wördern hilft‘ gelernt, dass der Umgang ‚mit dem Fremden‘ – der arabischen und mitteleuropäischen Kultur – für beide Seiten fordernd ist. Es wäre viel einfacher, nichts zu machen und sich zurück zu lehnen. Soll doch unsere ‚Demokratie‘ machen! Nur – das sind wir ja selbst! Ich wünsche allen Beteiligten weiterhin viel Humor, Gelassenheit und Kreativität im Gestalten unserer Zukunft. Sie wird uns alle brauchen, mit all unseren Gegensätzen. „

Foto: 1971markus@wikipedia.de, (c) CC-BY-SA 4.0

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